
Auf der kinderneurologischen Frührehabilitation am Clemenshospital Münster werden Kinder und Jugendliche mit schweren Hirn- und anderen neurologischen Schädigungen behandelt. Sie verbringen hier oft mehrere Monate, werden ganzheitlich, umfangreich und individuell therapiert.
Viele der jungen Patient*innen werden infolge schwerer Unfälle auf der Station aufgenommen. Neben der Motorik sind auch ihre Wahrnehmungs- und kognitiven Fähigkeiten stark beeinträchtigt. Schwer betroffene Kinder haben große Schwierigkeiten mit der eigenen Körperwahrnehmung, ihren Sinneseindrücken und deren Verarbeitung. Unsere Sensorikboxen sollen auf spielerische Weise dabei helfen, die sensorischen, motorischen und kognitiven Fähigkeiten zu schulen. Schon 2023 haben wir gemeinsam mit dem interdisziplinären Frühreha-Team des Clemenshospitals das Konzept einer Sensorikbox entwickelt. Das Projekt wurde noch im selben Jahr in die Tat umgesetzt.
Die Grundidee: Jedes betroffene Kind erhält während des Klinikaufenthalts eine eigene Box. Diese wird je nach Alter, Bedürfnis und therapeutischen Herausforderungen individuell mit verschiedenen Materialien und Gegenständen gefüllt. Im Rahmen der Ergotherapie kommen die Sensorikboxen regelmäßig zum Einsatz. Die Therapeut*innen üben mit den Kindern und erklären auch den Eltern die Handhabung und Wirkweise. Am Ende ihres Klinikaufenthalts dürfen die Familien ihre Sensorikboxen mit nach Hause nehmen, um auch dort weiterhin üben zu können.
Drei Jahre lang waren die Sensorikboxen bereits erfolgreich im Einsatz. Vor kurzem haben wir den Bestand wiederaufgefüllt. Für rund 5.500 Euro wurden 35 neue Boxen und zahlreiche Artikel für taktile, visuelle, propriozeptive und Vibrations-Reize angeschafft. Massagegeräte, Vibrationsschlangen, Schwämme, Bürsten, Waschhandschuhe, Glitzerbälle, sensorische Bälle oder Gewichtsschlangen regen das Gehirn spielerisch dazu an, die unterschiedlichen Reize gezielt wahrzunehmen und stetig besser zu verarbeiten.
Die auf der Frühreha behandelten Kinder sind oft schwer traumatisiert. So sind es häufig auch ihre Familien. Neben der sensorischen Therapie für die jungen Patient*innen helfen die Sensorikboxen ebenfalls den Angehörigen gegen ihr Gefühl der Hilflosigkeit. Durch die therapeutische Anleitung können Eltern, Geschwister oder Großeltern selbst etwas für die Kinder tun. Jederzeit können sie zur Sensorikbox greifen, sich einen Gegenstand aussuchen, positive Reize setzen und auf diese Weise aktiv bei der Genesung helfen. „Sie sind zumeist sehr dankbar, überhaupt etwas für ihre Kinder tun zu können“, erklärt Ergotherapeutin Ursula Trahe-Wissing. Gleichzeitig entsteht eine (neue) Nähe zwischen Kind und Eltern. Sie finden Wege, miteinander zu kommunizieren und in Kontakt zu sein, auch wenn das schwer erkrankte Kind nicht in der Lage ist, zu sprechen oder sich zu bewegen.
Die Sensorikboxen machen einen kleinen, aber bedeutenden Unterschied in der therapeutischen Arbeit. Sie sind wertvolle Hilfsmittel für das Team der Ergotherapie, vielfältige, angenehme und wirkungsvolle Impulsgeber für schwer erkrankte Kinder und ein wichtiger Halt für zutiefst besorgte Eltern.