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Wenn Zappy zu Besuch kommt: Tiergestützte Therapie im Haus Atemzeit

Zappy und die Kinder

Wenn Zappy zu Besuch kommt, herrscht eine ganz besondere Stimmung im Haus Atemzeit. Zappy ist ein Therapiepony, das einmal im Monat zu Gast ist. Im Rahmen der tiergestützten Therapie ist das niedliche Pony mit der hübschen, blonden Mähne ein wichtiger Weggefährte für die kleinen Bewohner*innen. Im Haus Atemzeit leben bis zu sechs beatmete Kinder zeitweise in einer intensivmedizinisch betreuten Wohngemeinschaft. Die wertvolle Einrichtung bietet betroffenen Familien einen sicheren Übergang von der klinischen Intensivstation nach Hause.

Werden Eltern mit schwerkranken, beatmeten Kindern aus dem Krankenhaus entlassen, sind sie plötzlich mit einer Situation konfrontiert, die ihnen alles abverlangt. Es fehlt an Erfahrung und Sicherheit im Umgang mit Beatmungsgeräten, Monitoren, Schläuchen und generellen Abläufen. Auf einmal müssen Mütter und Väter für ihr eigenes Kind eine enorme, medizinische Verantwortung übernehmen. Das Haus Atemzeit schließt diese Lücke und unterstützt betroffene Eltern in einer sehr kritischen, überfordernden Phase.

Im hessischen Wölfersheim gelegen begleitet das Haus Atemzeit Familien mit Kindern, die auf Beatmung angewiesen sind, auf ihrem Weg zurück ins Leben. Eltern lernen hier, ihr Kind sicher zu versorgen, und wachsen als Familie wieder zusammen. Manchen Kindern gelingt es während des Aufenthalts, wieder eigenständig zu atmen und sich vom Beatmungsgerät zu entwöhnen. Die Angehörigen hingegen lernen, aufzuatmen und der schwierigen Situation mit Ruhe und Sicherheit zu begegnen. Wenn die kleinen Patient*innen das Haus Atemzeit verlassen, gehen sie mit versierten, geschulten Mamas und Papas nach Hause, die an ihrer Herausforderung gewachsen sind und wissen, was zu tun ist.

Zappy spielt eine besondere, therapeutische Rolle im Haus Atemzeit. Das kleine Pony besucht die Kinder, wenn nötig, sogar direkt im Zimmer. Bevor Zappy sich einem Kind nähert, wartet er ab, hält inne, senkt den Kopf und atmet ruhig. Zappy wartet auf die Reaktion des Kindes, wartet auf ein Zeichen, ob er sich besser zu- oder abwenden sollte. Das Therapiepony vermittelt seinen kleinen Schützlingen schon im ersten Moment der Begegnung eine elementare und wertvolle Botschaft: Das Kind entscheidet. Wenn ein kleines Mädchen den Kopf abwendet, unruhig wird oder ihr Fäustchen ballt, hält Zappy inne. Er bleibt stehen und wartet, was als nächstes passiert. Streckt das kleine Mädchen dem kuscheligen Pony seine Hand entgegen, geht Zappy einen Schritt auf sie zu und wartet erneut. Das Kind bestimmt das Tempo. Das Kind entscheidet, wie es weitergeht.

Manche der Kinder, die Zappy begegnen, sind nur wenige Monate alt, können (noch) nicht sprechen und werden es möglicherweise nie tun. Sie lernen durch die Besuche des einfühlsamen Therapieponys, dass sie trotzdem eine Stimme haben. Zappy und die Kinder kommunizieren nonverbal: mit Blicken, mit Reaktionen, mit kleinen oder größeren Bewegungen des Körpers, mit Anspannung oder Entspannung. Und Zappy versteht diese Sprache. Was in diesen Momenten geschieht, ist gleichermaßen bedeutsam und zutiefst bewegend: Das Kind lernt, dass es gehört wird, dass die eigenen Signale eine Wirkung erzielen, und es etwas bewegen kann – auch ohne klare Worte, auch ohne laute Stimme.

Ein Jahr lang haben wir die tiergestützte Therapie mit Pony Zappy im Haus Atemzeit finanziert. In diesem Zeitraum haben acht schwerkranke, beatmete Kinder und drei Geschwisterkinder an Zappys therapeutischen Besuchen teilgenommen. Neben der selbstbestimmten Annäherung und nonverbalen Kommunikation spielt auch die sensorische Stimulation eine wichtige Rolle. Wenn die Kinder Zappys Fell streicheln, seine Wärme oder den Atem spüren, werden auf vielfältige Weise ihre Sinne gefördert. Sogar der eigene Atemrhythmus kann sich durch Zappys Anwesenheit entspannen. Die gleichmäßigen Atemzüge des Ponys wirken sich beruhigend und regulierend auf den Muskeltonus der Kinder aus.

Drei der Kinder, die im letzten Jahr von Zappys tierischen Besuchen profitieren konnten, atmen heute selbstständig und wurden gestärkt nach Hause entlassen. Alle Kids haben während ihres Aufenthalts im Haus Atemzeit deutliche Fortschritte gemacht. Die Kinder, wenn auch nur wenige Monate alt, haben ihre eigene Selbstwirksamkeit kennengelernt, sich motorisch und kognitiv weiterentwickelt. Dazu hat auch Zappy einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Bei diesen Bildern geht uns das Herz auf. Wir wünschen euch noch viele wundervolle Begegnungen mit Zappy!
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